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Kein AfD-Maulkorb für LehrerInnen!

Am 23. Oktober will die Brandenburger AfD-Landtagsfraktion ihr „Neutrale Schulen Brandenburg“ genanntes Meldeportal gegen LehrerInnen online schalten. Dazu erklärt die bildungspolitische Sprecherin der LINKEN im Landtag, Kathrin Dannenberg: Die AfD ignoriert die breite gesellschaftliche Kritik an ihren Meldeportalen. Viele Eltern und Schüler, Verbände und Verantwortliche in der Politik reagieren ablehnend gegen diese Form der Denunziation. Gut, dass es jetzt neben anderen Protestformen auch die Gegenpetition mit dem Titel „Mein Lehrer fetzt“ gibt.

Mit ihrem Meldeverfahren will die AfD Persönlichkeitsrechte und staatliche Kontrollmechanismen aushebeln. Dies soll hinter dem Rücken der angeschuldigten LehrerInnen erfolgen, ohne Möglichkeit einer Anhörung – und vorbei am offiziellen Beschwerde-Weg, der über Klassen- oder Vertrauenslehrer und Schulleitung bis hin zur Schulaufsicht verläuft. Deshalb ist es nur zu begrüßen, dass auch das Land Brandenburg angekündigt hat, diese Plattform rechtlich prüfen zu lassen und, wenn nötig, Lehrkräfte juristisch zu unterstützen.

Aus dem Brandenburgischen Schulgesetz

Im Brandenburgischen Schulgesetz, Art. 4, Abs. 5 (Ziele und Grundsätze der Erziehung und Bildung), heißt es unter anderem:

"Bei der Vermittlung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Werthaltungen fördert die Schule insbesondere die Fähigkeit und Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler, [...]

6. sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau einzusetzen und den Wert der Gleichberechtigung auch über die Anerkennung der Leistungen von Frauen in Geschichte, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft einzuschätzen, [...]

10. Ursachen und Gefahren der Ideologie des Nationalsozialismus sowie anderer zur Gewaltherrschaft strebender politischer Lehren zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken,

11. die eigene Kultur sowie andere Kulturen, auch innerhalb des eigenen Landes und des eigenen Umfeldes, zu verstehen und zum friedlichen Zusammenleben der Kulturen und Völker beizutragen sowie für die Würde und die Gleichheit aller Menschen einzutreten [...]."

 

Erklärfilm zur Gemeinschaftsschule

Verständlich erklärt: Das Konzept Gemeinschaftsschule

Das Konzept der Landesregierung

Im Dezember 2015 hatte der Landtag mit den Stimmen von SPD und LINKE die Landesregierung beauftragt, eine Konzept zur Stärkung des längeren gemeinsamen Lernens zu erarbeiten. Inzwischen liegt das Konzept vor. Es schafft Rahmenbedingungen, um bestehende Schulzentren zu stärken und die Neugründung von Schulzentren zu befördern. Diese Schulzentren sind ein Schritt auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule. Darum haben wir uns für das Konzept stark gemacht und auch zahlreiche Verbesserungen erreicht.

DIE LINKE im Landtag Brandenburg wird sich für eine zügige Umsetzung des Konzeptes einsetzen und wirbt bei Schulträgern und Schulen für eine Entscheidung, sich für längeres gemeinsames Lernen zu entscheiden.

Nachlesen können Sie das Konzept hier.

LINKE wirbt vor Ort für Gemeinschaftsschule

Schon 35 Schulen praktizieren im Land Brandenburg als gemeinsame Grund- und Oberschule bereits längeres gemeinsames Lernen. Für DIE LINKE ist das ein Modell, was unserer Vorstellung der Gemeinschaftsschule nahe kommt. Daher wirbt die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Kathrin Dannenberg, bei ihren Besuchen vor Ort immer wieder für die Gründung von Schulzentren und Schulen des gemeinsamen Lernens. Gemeinsam mit  regionalen Abgeordneten,  Lehrkräften, Schulleitungen, Schüler*innen und deren Eltern spricht sie über die Chancen dieser „Wege zur Gemeinschaftsschule“. Dabei informiert sie gleichzeitig über die Möglichkeiten, weitere Schulzentren selbst errichten zu können.

Überall stoßen  Ideen über Gemeinschaftsschule oder längeres gemeinsames Lernen auf offene Ohren und Zustimmung. LINKE Landtagsabgeordnete können sich immer wieder vor Ort davon überzeugen, dass längeres gemeinsames Lernen in Brandenburg schon von engagierten Schulen gelebt wird und auch erfolgreich funktioniert. Die dafür notwendigen gesonderten Rahmenbedingungen sind geschaffen worden. LINKE Landtagsabgeordnete unterstützen örtliche Initiativen zur Neu-Errichtung von Schulzentren oder Schulen des gemeinsamen Lernens gern.

Das Projekt Gemeinschaftsschule

Schule für alle, Schule der Vielfalt: Wie das Projekt Gemeinschaftsschule letztlich genannt wird, ist zweitrangig. Wichtig sind die Inhalte: Jedes Kind ist willkommen, niemand wird aussortiert.

Als Marko Mönch zur Schule ging, hatte er es nie weit zu seinen Klassenkameraden. „Ich hatte das Glück, in meiner Heimatstadt Calau meine gesamte Schulzeit genießen zu können“, sagt  der inzwischen ehemalige Schüler. Durch die kurzen Wege zur Schule – zuerst zur Grundschule und später zum Gymnasium – blieb ihm mehr Zeit für Hausaufgaben und Freizeit. „Ich konnte zum Beispiel meinem Sportverein treu bleiben“, erinnert er sich.

Heute fehlt vielen Kindern und Jugendlichen in Brandenburg diese Zeit. Gerade in den berlinferneren Regionen mussten viele Schulen geschlossen werden. Durch sinkende Einwohnerzahlen ist auch künftig an vielen Orten die Schulstruktur bedroht. In Calau beispielsweise musste Marko Mönchs Schule, das Gymnasium, schließen. Lange Fahrten mit dem Schulbus sind für viele Kinder heute leider Alltag.

Deshalb kämpften in Calau viele Menschen für die Gründung einer Gemeinschaftsschule. Seit dem Schuljahr 2016/17 gibt es mit dem Schulzentrum Calau eine Schule des längeren gemeinsamen Lernens, bestehend aus der Carl-Anwandter-Grundschule und der Robert-Schlesier-Oberschule. Dort besuchen seitdem Kinder und Jugendliche die Klassen 1 bis 10 gemeinsam  in einer Schule. Auch das Abitur soll in Zukunft möglich werden. „Die Stadtverordnetenversammlung und beide Schulkonferenzen haben dazu einen einstimmigen Beschluss gefasst“, sagt Marko Mönch, der sich in der Grundschule als stellvertretender Vorsitzender der Elternkonferenz engagiert.

Das Beispiel von Calau könnte in ganz Brandenburg – im wahrsten Sinne des Wortes – Schule machen. Gemeinschaftsschulen ermöglichen ein längeres gemeinsames Lernen und gewährleisten eine schulische Versorgung auch in Gegenden, die besonders vom demografischen Wandel betroffen sind. „Die LINKE kämpft seit Jahren für ein gerechteres und qualitativ besseres Schulsystem, zu dem die Einführung einer Gemeinschaftsschule gehört“, sagt Kathrin Dannenberg, bildungspolitische Sprecherin der LINKEN Landtagsfraktion.

Dannenberg war selbst 24 Jahre lang Lehrerin an einer Oberschule. Die meisten Kinder wechseln nach der Grundschule auf ein Gymnasium, eine Gesamtschule oder eine Oberschule. „Unser heutiges Schulsystem ordnet die Kinder ein. Wir legen sie schon früh auf ihren Bildungsweg und ihre Berufsorientierung fest. Das gefällt mir nicht“, sagt die Mutter einer erwachsenen Tochter und künftigen Lehrerin.

Die Vorteile einer Gemeinschaftsschule liegen für sie auf der Hand. „Kinder sollten möglichst lange gemeinsam lernen, mindestens von der 1. bis zur 10. Klasse“, sagt die Bildungsexpertin. Kinder bräuchten Entwicklungsmöglichkeiten in einer Schule, die alle Bildungsgänge anbiete und die Schüler*innen auf Berufsausbildung oder Abitur vorbereite. Die Mehrgliedrigkeit des Schulsystems diskriminiere dagegen Kinder, die noch Zeit brauchen.

Auf Drängen der LINKEN wurde das Projekt Gemeinschaftsschule in den rot-roten Koalitionsvertrag aufgenommen. Konkret wurde vereinbart: „In Zukunft wird überall dort, wo die Schulträger und die Eltern es wünschen, die Fusion von Grundschulen mit Oberschulen bzw. Gesamtschulen zu Schulzentren möglich sein.“ Auch Gymnasien sollen in diese Schulzentren einbezogen werden können. Gemeinsames Lernen aller Kinder soll von der 1. Klasse bis zum Schulabschluss möglich sein.

Nun ist es Aufgabe der Regierungskoalition, detaillierte Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehört nach einem Konzept der LINKEN eine fünfjährige Pilotphase, die mit ausgewählten Schulen zum Schuljahr 2017/2018 startet. Vorher soll es einen intensiven Dialog mit allen Betroffenen – Eltern, Lehrkräften, Schüler*innen, Schulträgern – geben, weil es uns wichtig ist, ein direktes Feedback von den Fachleuten und den Menschen aus der praktischen Arbeit zu erhalten. Wichtig ist auch, dass es um eine freiwillige Veränderung  der Schulen von innen heraus geht und nicht um eine von außen auferlegte formale Strukturveränderung. Damit das Projekt gelingen kann, werden wir in den Haushaltsgesetzen zusätzliche finanzielle Mittel bereitstellen.

Jedes Kind ist willkommen und wird optimal gefördert, niemand wird zurückgelassen – diese Grundüberzeugung fordert letztlich einen Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik. „Klar ist, dass die Einführung einer Gemeinschaftsschule ein langfristiger Prozess ist, der weit über eine Legislaturperiode hinausgeht“, sagt LINKE-Bildungsexpertin Dannenberg. Zentrale Voraussetzungen für die Umsetzung der Gemeinschaftsschule mit hohen Bildungsstandards sind Verlässlichkeit und finanzielle Planungssicherheit in der Bildungspolitik. Und es braucht engagierte Akteur*innen vor Ort, die das Vorhaben demokratisch mitgestalten können.

So wie die Eltern der Grund- und Oberschulkinder in Calau. „Meine Tochter geht in die gleiche Grundschule wie ich damals. Mit dem zukünftigen Schulzentrum erhöht sich die Möglichkeit, in der Stadt zu bleiben und nicht mit dem Bus fahren zu müssen“, sagt Eltern-Vertreter Marko Mönch. Das würde wesentlich weniger Zeitdruck bedeuten – und mehr Lebensqualität. „Meine Tochter könnte weiterhin mit ihren Freundinnen und Freunden die Schule bis zum Abschluss besuchen.“


So funktioniert die Errichtung eines Schulzentrums

Ein Schulzentrum ist entsprechend § 16 des Gesetzes über die Schulen im Land Brandenburg (BbgSchulG) eine allgemeinbildende Schule zur Sicherung längeren gemeinsamen Lernens und besteht (mindestens) aus einer Grundschule und einer Oberschule oder/und einer Gesamtschule.

Die Errichtung eines Schulzentrums muss laut Gesetz über die Schulen im Land Brandenburg durch den zuständigen örtlichen Schulträger erfolgen (§§ 99 ff. BbgSchulG). Da Schulzentren mindestens eine weiterführende Schule enthalten muss (Oberschule oder/und Gesamtschule) sind diese zuständigen örtlichen Schulträger die Landkreise. Aber auch eine Gemeinde kann unter gewissen Umständen Schulträger einer weiterführenden Schule sein.

Die Initiator*innen zur Errichtung eines Schulzentrums sollten sich daher mit den Schulkonferenzen der am beabsichtigten Schulzentrum beteiligten oder interessierten Grund-, Ober- und/oder Gesamt-Schulen zusammensetzen, einen entsprechenden Beschluss auf Antrag zur Errichtung eines Schulzentrums fassen und damit zum zuständigen örtlichen Schulträger gehen. Ihre LINKEN Landtagsabgeordneten unterstützen Sie bei derartigen Initiativen gern.