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Dienstagsgespräch

Sinti und Roma: eine unbekannte Minderheit, unsere Nachbarn in Brandenburg

Dass die Sorben/Wenden als nationale Minderheit in Brandenburg anerkannt sind, wissen viele. Aber dass auch die deutschen Sinti und Roma seit 1998 im Land eine nach Europarecht anerkannte Minderheit sind, ist weitgehend unbekannt.  Die Linksfraktion hat dies zum Anlass genommen, um die Minderheit durch eine öffentliche Veranstaltung im Landtag Interessierten näher zu bringen. Eingeladen dazu waren die Vorsitzende des Landesverbandes deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg Petra Rosenberg und der Berliner Musiker und Sinti Janko Lauenberger. Sie diskutierten mit unserer Fraktionsvorsitzenden Kathrin Dannenberg.

Der Abend brachte – nach allgemeinem Bekunden – viele Einblicke in die Geschichte und den heutigen Alltag der deutschen Sinti und Roma. Insbesondere die Lesung aus dem Buch „Ede und Unku – die wahre Geschichte. Das Schicksal einer Sinti-Familie von der Weimarer Republik bis heute“, verfasst von Janko Lauenberger, einem verwandten jener Unku aus dem in der DDR sehr bekannten Jugendbuch von Grete Weiskopf (alias Alex Wedding), und der Journalistin Juliane von Wedemeyer sprach die Anwesenden auch emotional an. Petra Rosenberg las Auszüge aus der Zeit, in der Unku nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde, trug aber auch den Bericht von Janko Lauenberger über seine Erlebnisse als junger Sinto in der DDR vor.

Da kam dann auch schnell das Gespräch darüber in Gang, wie man die Zeit nach 1945 erlebt hat: Petra Rosenberg in West-Berlin und Janko Lauenberger in Ost-Berlin. Und es kam auch Bedrückendes zum Vorschein. Denn auch in der DDR, in der Antifaschismus zur Staatsdoktrin gehörte, wurden Sinti diskriminiert und ausgegrenzt, bis hin – wie bei Janko Lauenberger - zur Einweisung in ein Heim für Schwererziehbare. Jahrhundertealte Stereotypen wirkten auch im sozialistischen Deutschland fort. Im Unterschied zu den Sorben waren die Sinti und Roma nicht als Minderheit anerkannt. Jeder Schritt der Gleichstellung musste schwer erkämpft werden. Nur wenige aus der Mehrheitsbevölkerung unterstützten die Sinti und Roma: bei der Anerkennung ihres Status als Opfer des Faschismus, bei schulischer Benachteiligung oder auch bei der Errichtung von ersten Gedenkorten an die Verfolgung. So ist es dem Brodowiner Umweltaktivisten Reimar Gildenbach zu verdanken, dass seit 1986 ein Gedenkstein auf dem Parkfriedhof Marzahn an das ehemalige Zwangslager für die Sinti und Roma erinnert. Eröffnet durch DDR-Offizielle, die Sinti und Roma aber lud man dazu nicht ein …

Breiten Raum im Gespräch nahmen die Fragen ein, die sich für die Minderheit heute stellen. Was kann, was muss Politik in Brandenburg tun? Natürlich muss in den Schulen und auch in Gedenkstätten mehr Wissen über die Minderheit vermittelt werden, in erster Linie müssen Lehrkräfte durch entsprechende Fortbildungen dafür fit gemacht werden – das machte Kathrin Dannenberg deutlich. Der Berlin-Brandenburger Landesverband der Sinti und Roma steht dafür als Ansprechpartner gern bereit; er hat entsprechende pädagogische Angebote entwickelt, die auch in Brandenburg stärker genutzt werden sollten.

Ja, und dann steht für die Minderheit auch die Ergänzung der Brandenburger Landesverfassung um die Rechte der Sinti und Roma auf der Agenda. Entsprechende Forderungen an die Landespolitik gibt es seit einiger Zeit. DIE LINKE hat sie aufgegriffen – unseren Vorschlag für eine Verfassungsänderung hat Kathrin Dannenberg im Dezember 2019 öffentlich gemacht. Wir hoffen gemeinsam mit den Sinti und Roma, dass sich auch andere Fraktionen dieses Anliegen zu eigen machen.


Tesla und Verkehr

Das von der Fraktion in Auftrag gegebene Gutachten zur Verkehrs-Erschließung des geplanten Teslawerkes in Grünheide finden Sie hier.

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