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Verkehrspolitik

Bahnfrei in Ostbrandenburg? Zum Wiederaufbau der Bahnstrecke Bad Saarow–Beeskow

Es war eine jener Entscheidungen, die man bereut. Im Jahr 2006 wurde die Bahnverbindung zwischen Fürstenwalde (Spree) und Beeskow von der damaligen Landesregierung aus SPD und CDU gekappt. Die Instandsetzung sei zu teuer. Seitdem verkehrt die Linie RB35 nur noch bis zur Station Bad Saarow Klinikum. Heute wünschen sich der Landkreis Oder-Spree und die Anrainergemeinden, die Entscheidung gegen den Weiterbetrieb des rund 20 Kilometer langen Teilstücks der Schienenstrecke zwischen der Kreisstadt und der bevölkerungsreichsten Stadt des Landkreises wäre damals anders ausgefallen. Nicht nur für Berufspendlerinnen wäre eine schnelle Verbindung zum RE1 und weiter nach Berlin ein Gewinn. Die Ansiedlung der Tesla-Fabrik im benachbarten Grünheide (Mark) erhöht den Druck, in der Region moderne und ökologische Alternativen zum Auto zu fördern.

Doch bis zwischen Scharmützelsee und Spreeniederung wieder Züge rollen können, ist es ein weiter Weg. Wie die Landesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion mitteilte, wurden die Bahnanlagen zwischen Bad Saarow und Beeskow nicht nur stillgelegt, sondern entwidmet. Ein Wiederaufbau mit dem alten oder einem neuen Trassenverlauf würde deshalb bei Null starten – mit komplexen Planungs- und Genehmigungsverfahren wie bei einer Neubaustrecke. Lediglich auf dem gut zwei Kilometer langen Teilstück vom derzeitigen Streckenende Bad Saarow Klinikum bis nach Pieskow laufen die Vorbereitungen für ein neues Gleis. Ab Dezember 2021 soll die RB35 dann auch die südlichen Siedlungsgebiete des Kurortes anfahren.

Am Mittwoch machte sich Christian Görke, verkehrspolitischer Sprecher der LINKEN im Landtag, vor Ort selbst ein Bild und kam mit Kommunalvertretern über Chancen und Begleiterscheinungen einer etwaigen Reaktivierung der Bahnverbindung nach Beeskow ins Gespräch. Laut dem amtierenden Bürgermeister von Rietz-Neuendorf, Thomas Fischer (BÜ‘90/GRÜNE), befinde sich der einstige Bahndamm heute im Gemeindebesitz. Auf dem Abschnitt von Beeskow bis Groß Rietz soll ab 2021 für zwei Millionen Euro ein touristischer Radweg entstehen. Dort müsse für die Bahnlinie dann ein neuer Verlauf gefunden werden. Doch zwischen Bad Saarow und Groß Rietz könne ein neues Gleis an alter Stelle verlegt werden, wie Gemeindevertreter Reinhard Grundemann (DIE LINKE) ergänzte.

Bad Saarows ehrenamtlicher Bürgermeister Axel Hylla (DIE LINKE) spricht sich klar für einen Wiederaufbau aus. „Wenn wir es mit der Verkehrswende ernst meinen, dann müssen wir den Menschen attraktive Alternativen zum Auto anbieten“, fordert Hylla. Doch er weist auch darauf hin, die Bedürfnisse der Anliegerinnen ernst zu nehmen. Im Wohngebiet am Lärchengrund zeigen der Bürgermeister und ein Anwohner dem Abgeordneten Christian Görke das Problem: Einige der neuen Baugrundstücke grenzen unmittelbar an die Verlängerungstrasse nach Pieskow. Die Häuser stehen teilweise nur wenige Meter vom Gleisbett entfernt. Vom Bauträger haben die Käuferinnen keine Information erhalten, dass die Bahntrasse nicht entwidmet ist und folglich wieder in Betrieb gehen kann. Nun gibt es Sorgen vor Lärm und Erschütterungen. Bürgermeister Hylla kündigt an, sich gegenüber der Landesregierung – von der die RB35-Verlängerung bestellt und bezahlt wird – für Lärmschutzmaßnahmen einzusetzen. In den nächsten Wochen soll die Gemeindevertretung einen entsprechenden Beschluss fassen. Görke sagte zu, dieses Anliegen im Parlament anzusprechen und zu unterstützen.

Hinsichtlich eines Wiederaufbaus der Bahnverbindung nach Beeskow fasst Görke zusammen: „Ich halte eine solche Querverbindung zwischen RE1 und RB36, vielleicht sogar weiter bis zum RE2 in Lübben, für außerordentlich sinnvoll. Ostbrandenburg ist von der Landesregierung beim Schienenverkehr bislang vergessen worden und hier besteht die Chance, die Bahn in den ländlichen Raum zurückzuholen. Das ist klima-, sozial- und wirtschaftspolitisch sinnvoll, besonders auch mit Blick auf die Tesla-Ansiedlung in der Region.“ Der Landtagsabgeordnete empfiehlt Landkreis und Gemeinden, schnellstmöglich eine Machbarkeitsstudie mit Potenzial- und Variantenuntersuchungen erarbeiten zu lassen. Denn die Landesregierung hat angekündigt, die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken im Zuge der Vorbereitungen für den Landesnahverkehrsplan 2023 zu prüfen. „Wenn die Strecke Fürstenwalde – Bad Saarow – Beeskow in die engere Auswahl kommen soll, müssen die Kommunen der Region sich gemeinsam, fundiert und lautstark dafür einsetzen.“


Tesla und Verkehr

Das von der Fraktion in Auftrag gegebene Gutachten zur Verkehrs-Erschließung des geplanten Teslawerkes in Grünheide finden Sie hier.

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