24. Mai 2017 Geschichte des § 175 StGB

Ausstellung über Homosexuellen-Verfolgung eröffnet

123 Jahre lang, vom Kaiser­reich bis Mitte der Neun­ziger­jahre, galt in Deutsch­land der § 175 Straf­gesetz­buch (StGB), der Homo­sex­uelle dis­krimi­nierte und juristisch verfolgte. Während er in der DDR seit 1957 de facto außer Kraft gesetzt war, galt in der Bundesrepublik bis 1969 sogar eine verschärfte Version des Paragraphen aus der Nazizeit. Razzien in einschlägigen Bars, Verrat durch NachbarInnen und KollegInnen und die ständige Angst vor dem Entdecktwerden gehörten für schwule Männer zum Alltag. Ein offenes schwules Leben war nicht möglich. Denunziation reichte vielfach aus für den Verlust der bürgerlichen Existenz – was bis in die Achtzigerjahre auch in der DDR vorkam.

In den Räumen der Landtagsfraktion ist derzeit eine Ausstellung zu sehen, in der die Geschichte des § 175 nachgezeichnet wird und die Auswirkungen anhand der Schicksale von Verfolgten dargestellt werden. Anlässlich der Eröffnung am Dienstagabend fand eine Podiumsdiskussion mit mehr als 60 TeilnehmerInnen statt, in der es um laufende Bemühungen ging, die noch lebenden Opfer der Verfolgung juristisch zu rehabilitieren und finanziell zu entschädigen. Wir danken dem Kurator Hans Kremer und dem Verein Katte e.V. für ihre Initiative.

Die Ausstellung ist bis zum 23. Juni wochentags von 9 bis 16 Uhr im 2. Stock des Potsdamer Landtagsgebäudes zu besichtigen. Der Kurator ist jeden Dienstag ab 14 Uhr anwesend.