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Für längeres gemeinsames Lernen in Brandenburg

DIE LINKE möchte das heutige gegliederte Schulsystem, in dem unsere Kinder eingeteilt werden und in dem Bildungschancen sehr stark von der sozialen Herkunft abhängen, überwinden. Wir halten ein längeres gemeinsames Lernen für den besseren Weg. Darum schlagen wir die Gemeinschaftsschule als Modell vor, in dem alle Bildungsabschlüsse erreicht werden können, Kinder von der 1. bis zur 10. bzw. 13. Klasse gemeinsam lernen, mit dem wir kleine Schulstandorte auch im ländlichen Raum erhalten können und mit dem wir keine Kinder ausgrenzen.

Wir möchte zu dieser Idee in den Dialog treten und daher wollen wir hier Informationen zu dem Thema Gemeinschaftsschule anbieten und Ihre Fragen und Hinweise entgegen nehmen. Näheres finden Sie in unserem Papier "Wege zur Gemeinschaftsschule".

13. Juli 2016

Das Konzept der Landesregierung

Im Dezember 2015 hatte der Landtag mit den Stimmen von SPD und LINKE die Landesregierung beauftragt, eine Konzept zur Stärkung des längeren gemeinsamen Lernens zu erarbeiten. Inzwischen liegt das Konzept vor. Es schafft Rahmenbedingungen, um bestehende Schulzentren zu stärken und die Neugründung von Schulzentren zu befördern. Diese Schulzentren sind ein Schritt auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule. Darum haben wir uns für das Konzept stark gemacht und auch zahlreiche Verbesserungen erreicht.

DIE LINKE im Landtag Brandenburg wird sich für eine zügige Umsetzung des Konzeptes einsetzen und wirbt bei Schulträgern und Schulen für eine Entscheidung, sich für längeres gemeinsames Lernen zu entscheiden.

Nachlesen können Sie das Konzept hier.

30. Juni 2016

LINKE wirbt vor Ort für Gemeinschaftsschule

Schon 35 Schulen im Land Brandenburg praktizieren als gemeinsame Grund- und Oberschule bereits längeres gemeinsames Lernen. Für DIE LINKE ist das ein Modell, was unserer Vorstellung der Gemeinschaftsschule am nächsten kommt. Daher hat sich die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Kathrin Dannenberg, im Mai und Juni die Zeit genommen und auf einer Schultour einige dieser Schule besucht. In sechs Regionen des Landes hat sie gemeinsam mit unseren regionalen Abgeordneten insgesamt neun Schulen besichtigt, mit Lehrkräften, Schulleitungen, SchülerInnen gesprochen und abends noch in einer Veranstaltung „Wege zur Gemeinschaftsschule“ aufgezeigt. Dabei ging die Tour sowohl in den Norden (Prignitz und Oberhavel), in den Süden (Oberspreewald-Lausitz) wie auch in den Osten (Oder-Spree und Märkisch-Oderland) und Westen (Potsdam).

Überall stieß die Idee der Gemeinschaftsschule auf offene Ohren und breite Zustimmung. Kathrin Dannenberg konnte sich vor Ort davon überzeugen, dass langes gemeinsames Lernen in Brandenburg schon von engagierten Schulen gelebt wird und auch erfolgreich funktioniert. Aber es braucht dafür gesonderte Rahmenbedingungen. Diese sollen nun geschaffen werden – die Landesregierung wird ein Konzept vorlegen, mit dem langes gemeinsames Lernen gestärkt werden soll. Die Erfahrungen der Tour fließen in die Diskussion um dieses Konzept ein. Aber Kathrin Dannenberg nahm auch andere Probleme mit und versprach Hilfe bei dem einen oder anderen konkreten Thema. Weiterlesen...

Das Projekt Gemeinschaftsschule

Schule für alle, Schule der Vielfalt: Wie das Projekt Gemeinschaftsschule letztlich genannt wird, ist zweitrangig. Wichtig sind die Inhalte: Jedes Kind ist willkommen, niemand wird aussortiert.

Als Marko Mönch zur Schule ging, hatte er es nie weit zu seinen Klassenkameraden. „Ich hatte das Glück, in meiner Heimatstadt Calau meine gesamte Schulzeit genießen zu können“, sagt Mönch. Durch die kurzen Wege zur Schule – zuerst zur Grundschule und später zum Gymnasium – blieb mehr Zeit für Hausaufgaben und Freizeit. „Ich konnte zum Beispiel meinem Sportverein treu bleiben“, erinnert sich Mönch.

Heute fehlt vielen Kindern und Jugendlichen in Brandenburg diese Zeit. Gerade in den abgelegeneren Regionen mussten viele Schulen geschlossen werden, durch die sinkenden Einwohnerzahlen ist auch künftig vielerorts die Schulstruktur bedroht. Auch in Calau musste das Gymnasium schließen. Lange Fahrten mit dem Schulbus sind für viele Kinder heute leider Alltag.

In Calau kämpfen die Menschen daher für die Gründung einer Gemeinschaftsschule. Momentan gibt es in der Stadt eine Grundschule und nebenan die Robert-Schlesier-Oberschule. Der Plan: Beide Schulen werden zu einem Schulzentrum ausgebaut. Dort sollen Kinder künftig die Klassen 1 bis 10 gemeinsam besuchen, auch das Abitur soll möglich sein. „Die Stadtverordnetenversammlung und beide Schulkonferenzen haben bereits einen einstimmigen Beschluss dazu gefasst“, sagt Marko Mönch, der sich in der Grundschule als stellvertretender Vorsitzender der Elternkonferenz engagiert.

Das Vorhaben in Calau könnte in ganz Brandenburg – im wahrsten Wortsinn – Schule machen. Gemeinschaftsschulen ermöglichen ein längeres gemeinsames Lernen und gewährleisten eine schulische Versorgung auch in Gegenden, die besonders vom demografischen Wandel betroffen sind. „Die LINKE kämpft seit Jahren für ein gerechteres und qualitativ besseres Schulsystem, zu dem die Einführung einer Gemeinschaftsschule gehört“, sagt Kathrin Dannenberg, bildungspolitische Sprecherin der LINKEN im Landtag.

Dannenberg war selbst 24 Jahre lang Lehrerin an einer Oberschule. Die meisten Kinder wechseln nach der Grundschule auf ein Gymnasium, eine Gesamtschule oder eine Oberschule. „Unser heutiges Schulsystem ordnet die Kinder ein. Wir legen sie schon früh auf ihren Bildungsweg und ihre Berufsorientierung fest. Das gefällt mir nicht“, sagt die Mutter einer erwachsenen Tochter.

Die Vorteile einer Gemeinschaftsschule liegen für sie auf der Hand. „Kinder sollten möglichst lange gemeinsam lernen, mindestens von der 1. bis zur 10. Klasse“, sagt die Bildungsexpertin. Kinder bräuchten Entwicklungsmöglichkeiten in einer Schule, die alle Bildungsgänge anbiete und die die Schüler auf Berufsausbildung oder Abitur vorbereite. Die Mehrgliedrigkeit des Schulsystems diskriminiere dagegen Kinder, die noch Zeit brauchen.

Auf Drängen der LINKEN wurde das Projekt Gemeinschaftsschule in den rot-roten Koalitionsvertrag aufgenommen. Konkret wurde vereinbart: „In Zukunft wird überall dort, wo die Schulträger und die Eltern es wünschen, die Fusion von Grundschulen mit Oberschulen bzw. Gesamtschulen zu Schulzentren möglich sein.“ Auch Gymnasien können in diese Schulzentren einbezogen werden. Gemeinsames Lernen aller Kinder soll von der 1. Klasse bis zum Schulabschluss möglich sein.

Nun ist es Aufgabe der Regierungskoalition, detaillierte Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehört nach einem Konzept der LINKEN eine fünfjährige Pilotphase, die mit ausgewählten Schulen zum Schuljahr 2017/2018 startet. Vorher soll es einen intensiven Dialog mit allen Betroffenen – Eltern, LehrerInnen, SchülerInnen, Schulträgern – geben, weil es uns wichtig ist, ein direktes Feedback von den Fachleuten und den Menschen aus der praktischen Arbeit zu erhalten. Wichtig ist auch, dass es um eine freiwillige Veränderung  der Schulen von innen heraus geht und nicht um eine von außen auferlegte formale Strukturveränderung. Damit das Projekt gelingen kann, werden wir mit dem Haushalt 2017/18 zusätzliche finanzielle Mittel bereitstellen.

Jedes Kind ist willkommen und wird optimal gefördert, niemand wird zurückgelassen – diese Grundüberzeugung fordert letztlich einen Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik. „Klar ist, dass die Einführung einer Gemeinschaftsschule ein langfristiger Prozess ist, der weit über eine Legislaturperiode hinausgeht“, sagt LINKE-Bildungsexpertin Dannenberg. Zentrale Voraussetzungen für die Umsetzung der Gemeinschaftsschule mit hohen Bildungsstandards sind Verlässlichkeit und finanzielle Planungssicherheit in der Bildungspolitik. Und es braucht engagierte Akteure vor Ort, die das Vorhaben demokratisch mitgestalten können.

So wie die Eltern der Grund- und Oberschulkinder in Calau. „Meine Tochter geht in die gleiche Grundschule wie ich damals. Mit dem zukünftigen Schulzentrum erhöht sich die Möglichkeit, in der Stadt zu bleiben und nicht mit dem Bus fahren zu müssen“, sagt Eltern-Vertreter Marko Mönch. Das würde wesentlich weniger Zeitdruck bedeuten – und mehr Lebensqualität. „Meine Tochter könnte weiterhin mit ihren Freundinnen und Freunden die Schule bis zum Abschluss besuchen.“