Unser A bis Z

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Gemeinschaftsschule

Gemeinschaftsschule – bildungspolitisches Ziel der LINKEN

Ziel der LINKEN ist es, allen Menschen – unabhängig von Geschlecht, Religion, Behinderung, ethnischer Zugehörigkeit, besonderen Lernbedürfnissen, sozialen oder ökonomischen Voraussetzungen – die gleichen Chancen und Möglichkeiten zu geben, an qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre Potenziale zu entwickeln.

Und das unter sich demografisch verändernden Bedingungen: Während sich der Geburtenrückgang nach 1989/90 abrupt und innerhalb weniger Jahre vollzog, gehen aktuelle Bevölkerungsprognosen für den Zeitraum bis 2030 von einem langsameren, aber kontinuierlichen Geburtenrückgang aus. Der zu erwartende Geburtenrückgang vollzieht sich in den Teilräumen des Landes Brandenburg höchst unterschiedlich. Während im Berliner Umland von 2011 bis 2030 ein Rückgang von 7.670 auf 5.240 Geburten erwartet wird, wird im weiteren Metropolenraum ein Rückgang von 11.300 auf 4.700 Geburten prognostiziert.  Im Berliner Umland sinkt die Zahl der Geburten damit um 32 %, im weiteren Metropolenraum um 58 %.

Aus dieser demografischen Entwicklung ergeben sich zwangsläufig Auswirkungen auf die Bildungspolitik, die nicht unterschätzt werden dürfen. Die LINKE sieht darin einen begünstigenden Faktor für längeres gemeinsames Lernen  - und damit für die Gemeinschaftsschule - , auch wenn heute noch  breite Bevölkerungsteile einer solchen Schule skeptisch gegenüber stehen. Die Meinungen gehen vor allem beim Erhalt des Gymnasiums oder dessen Einbeziehung als gymnasiale Oberstufe in die Gemeinschaftsschule auseinander.

Die zentrale Aufgabe bei der Entwicklung von Gemeinschaftsschule ist es, förderliche Strukturen für das Lernen in heterogenen Lerngruppen zu entwickeln, die allen Schülerinnen und Schülern gleichermaßen Zugang zu Bildung ermöglichen und einen demokratischen Lern- und Lebensraum schaffen.

Schulstruktur und Schul- und Lernkultur gehören beim Aufbau der Gemeinschaftsschule zusammen und bedingen einander. Die Strukturveränderung ist zwar eine notwendige, aber keineswegs  eine allein ausreichende Voraussetzung für bessere Leistungen und mehr Chancengleichheit. Sie muss zwingend verbunden werden mit einer neuen – einer schülerbezogenen – Unterrichtskultur und einer Schulkultur, die auf Chancengleichheit ausgerichtet ist. Die anzustrebende Bildungslandschaft muss daher inklusiv, geschlechtergerecht, leistungsstark und demokratisch sein.

Die Einführung der Gemeinschaftsschule ist ein langfristiger Prozess, der weit über eine Legislaturperiode hinausgeht. Er muss politisch gewollt, rechtlich und finanziell abgesichert und evaluiert werden sowie gleichzeitig wissenschaftlich begleitet werden.

Zentrale Voraussetzungen für die Umsetzung der Gemeinschaftsschule mit hohen Bildungsstandards sind Verlässlichkeit und finanzielle Planungssicherheit in der Bildungspolitik sowie eine demokratische Mitgestaltung aller an Schule Beteiligten.

Es gilt zunächst die Voraussetzungen für die Einführung der Gemeinschaftsschule zu schaffen bzw. zu verbessern. Dazu gehört der Dialog mit allen an Bildung Beteiligten, mit Lehrkräften, SchülerInnenn, Eltern, kommunalen Akteuren. Mit ihnen gilt es, konsensfähige Schritte zur Gemeinschaftsschule zu erarbeiten, um auf diese Weise eine demokratische Mehrheit herzustellen. Nur so kann die Gemeinschaftsschule entwickelt werden – sie muss „von unten“ wachsen, eine administrative Einführung „von oben“ würde nicht funktionieren.

Merkmale der Gemeinschaftsschule

  • Die Fähigkeiten und Kompetenzen aller Schüler sollen durch individuelle Förderung besser entwickelt und gefördert werden: Durch selbständiges Lernen und die Unterstützung individueller Lernwege soll eine maximale Leistungsentwicklung ermöglicht werden.
  • Durch enge Zusammenarbeit der Lehrkräfte, schulischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Schülerinnen und Schüler, Eltern und außerschulischen Partner entwickelt sich die Gemeinschaftsschule zum demokratischen Lern- und Lebensraum.
  • In der Gemeinschaftsschule ist die gegenseitige Anerkennung und Respektierung aller ein wichtiges Leitziel.
  • Gemeinschaftsschulen führen zu allen Schulabschlüssen.
  • Sie umfassen die Primar- und Sekundarstufe bis zur Jahrgangsstufe 10, danach können die Klassen 10 bis 12/13 als gymnasiale Oberstufe an der Gemeinschaftsschule, den OSZ oder den Gymnasien absolviert werden.
  • Bildungsgangempfehlungen nach Klasse 6 können entfallen, wenn die Schülerinnen und Schüler auf Wunsch der Eltern an der Gemeinschaftsschule verbleiben.
  • Ü 7-Verfahren und Probeunterricht werden abgeschafft.
  • Auf Klassenwiederholungen wird verzichtet.
  • Die Schülerinnen und Schüler können nicht abgeschult werden.
  • Auf äußere Fachleistungsdifferenzierung als Organisationsprinzip wird verzichtet.
  • Regelmäßige individuelle Lern- und Leistungsrückmeldungen ergänzen das halbjährliche Notenzeugnis oder können dieses auch bis zur Jahrgangsstufe 8 ersetzen.
  • Gemeinschaftsschulen sind in der Regel Ganztagsschulen.
  • Sie sind demokratisch verfaßt und verfügen über starke Mitwirkungsrechte.

Wege zur Gemeinschaftsschule:

  • Die Durchlässigkeit der bestehenden Schulformen muss erhöht werden. Dazu sind gleiche Rahmenlehrpläne und Stundentafeln für Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien bis Klasse 9 nötig.
  • Die Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe sind zu stärken, da sie dem pädagogischen Konzept der Gemeinschaftsschule am nächsten kommen.
  • Es sind Anreize zur Zusammenführung von Grund- und weiterführenden Schulen zu schaffen.
  • Bei der Begabungsförderung wird zugunsten besonderer Begabungen umgesteuert, die Leistungs- und Begabungsklassen laufen aus.
  • Es bedarf des Einsatzes von mehr Schulsozialarbeitern und Sonder- bzw. InklusionspädagogInnnen: Dazu wurde die Lehrerbildung bereits in dieser Legislatur reformiert, so dass alle Lehramtsstudierenden in allgemeiner Inklusionspädagogik ausgebildet werden und stärker zum Umgang mit heterogenen Gruppen befähigt werden.
  • Zum Schuljahr 2017/18 sollte eine Pilotphase Gemeinschaftsschule begonnen werden, wenn die jetzigen Pilotschulen Inklusion die Sekundarstufe I erreichen.
  • Es sollten unterschiedliche Organisationsformen der Gemeinschaftsschulen in der Pilotphase zugelassen werden (u.a. Gesamtschule oder aufwachsende Grundschule, oder Kooperation zwischen Grundschule und Schule der Sek I, oder Schule der Sek I ohne Grundschule, oder Fusionsmodell – Schulverbünde, die als Kooperationen zwischen der Grundschule und Schule der Sek I gestartet sind, fusionieren zu einer Organisationseinheit).
  • Die Pilotphase Gemeinschaftsschule muss wissenschaftlich begleitet werden.